Selten so einen Krampf beim Schreiben
Dieser Einsatz hat mich heftig gefordert. Das Schreiben darüber allerdings noch weit mehr.
Es gibt Einsätze in der Krisenintervention, die du gut annehmen und verarbeiten kannst und es gibt die, wo du zwar sogar zahllose Gespräche im Nachgang führst, die aber bleiben. Wer aber noch lebendig ist im Einsatz anstatt cool zu tun, der lässt sich berühren. Ansonsten würde es auch schwer, seine eigenen Grenzen rechtzeitig zu spüren.
Ich schreibe gerade an einem Kapitel für Der Einzige, der nie lügt. Sagenhaft, was ich hier erlebe. Jeder Satz ein Krampf, eine Rechtschreibung wie vor der Schule. Ich fühle keinerlei Unruhe oder Trauer in Erinnerung an diesen Einsatz, aber es bleibt schreibend eine Herausforderung.
Dieser Einsatz war leise und er hat mich weit mehr herausgefordert, als viele andere Einsätze.
Ein junger Mann war mitten im Streit aus dem fünften Stock auf die Straße gesprungen. Ich betreute seine Freundin. Eine Nacht in Graz die mich erinnerte und lehrte: An Tod im Mantel der Liebe und an Grenzen, die manchmal überschritten werden müssen.
Ich war fast sechs Stunden mit ihr, die zurückgelassen wurde im Leben. Vier Stunden länger, als normale Einsätze dauern. Und ich lernte: Angesichts des Todes stößt die Sprache an ihre Grenzen.
In dieser Nacht wurde gemeinsames Schweigen und das Raumhalten zur größten Hilfe. Für sie, aber auch für mich.